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Anfang
der achtziger Jahre. Müllskandale in Hamburg. Das
Supergift Dioxin im Sickerwasser der Mülldeponie
Georgswerder, das ebenfalls mit Dioxin verseuchte Gelände
der Firma Böhringer, die Billesiedlung, ständig
steigende Abfallmengen, keine Biomüll oder gar
umweltschonende Kühlschrankentsorgung ... .
Wie
ein Bumerang kehrte der Müll zum Absender zurück.
Als giftige Rauchgasfahne aus den Schloten der Verbrennungsanlagen,
als krebserregendes Sickerwasser aus unzureichend abgedichteten
Deponien, verpestete der Müll Luft, Wasser, Boden
... und nicht zuletzt uns selbst. Denn über die
Nahrungskette kehrt zuschlechterletzt in den Absender
zurück, was zuvor verbrannt und verteilt, vergraben
und vergessen wurde. Mit Hamburgs (ökologischer)
Abfallwirtschaft stand es vor gut 25 Jahren nicht zum
Besten.
Müllidealisten
So
gründeten engagierte und besorgte BürgerInnen
1984 eine Bürgerinitiative. Diese wollte in der
Bevölkerung ein Gegenbewußtsein zur herrschenden
Ex-und-Hopp-Mentalität schaffen und sich für
eine ökologische Abfallwirtschaft einsetzen. Die
Müllidealisten nannten sich "Nutzmüll
e.V.".
Biotonne
Eine
Vereinssatzung wurde erarbeitet und Konzepte geschrieben.
Die erste Tat unserer Gründungsmütter und
-väter war der Entwurf eines Konzeptes zur Einführung
einer Biotonne in Hamburg. Nach einer Testphase in HH-Harburg
gibt es inzwischen hamburgweit etwa 40.000 Biotonnen.
"Hamburger
Wurmbank"
Der
Einrichtung eines Bürgerbüros, zunächst
nur mit einer Stelle besetzt, als Anlaufstelle für
Fragen zur Abfallverwertung und Müllvermeidung
(1985), folgte ein Jahr später der Import einer
Idee aus Berlin. Aus der "Berliner Wurmkiste"
wurde die verbesserte "Hamburger Wurmbank".
Hamburger MiethausbewohnerInnen sollten die Möglichkeit
erhalten, selbstverantwortlich ihre eigene kleine Humusfabrik
auf dem Balkon zu betreiben. Bis heute sind über
3.800 Wurmbänke von Nutzmüll hergestellt und
abgegeben worden.
Recyclinghof
Altona
Die
Vereinsaktivitäten konnten im Februar 1988 durch
Anmietung des jetzigen "Firmensitzes" in der
Mendelssohnstraße 13 erweitert werden. Nutzmüll
e.V. wurde auf zunächst 400 qm sozialer Beschäftigungsträger
mit acht MitarbeiterInnen. Die Idee, alte beschädigte
Vollholzmöbel aufzuarbeiten, konnte endlich umgesetzt
werden, denn an den Sperrmülltagen fand sich immer
wieder nutzbarer Müll am Straßenrand. Ein
weiteres Tätigkeitsfeld wurde zugleich die Aufarbeitung
alter Fahrräder. Unsere "Holzwürmer"
und "Speichenlecker" schufen von nun an Neues
aus dritter Hand.
Sperrmüll-Connection
Seit
1993 konnte Omas Singer-Nähmaschine aus Hamburg-Sasel
sogar ihren zweiten Frühling in Serekunda (Gambia)
erleben. Aus mehreren Urlaubsaufenthalten erwuchs eine
erfolgreiche Sperrmüll-Connection mit Gambia. Nach
dem Prinzip der "Hilfe zur Selbsthilfe" werden
1x jährlich v.a. Fahrräder, Schulmaterialien,
Werkzeuge, Näh- und Schreibmaschinen an unterstützungswürdige
Projekte kostenlos verteilt.
"Recycel
Bar"
Nächstes
Nutzmüll-Kind wurde 1997 die "Recycel Bar".
In der Atmosphäre eines gemütlichen Ladencafes
kann jedermensch in Büchern, alten Schallplatten
und Hausrat stöbern, die liebevoll aufgearbeiteten
Möbel und Fahrräder kaufen, Recyclingkunst
erstehen, einen Cappucino trinken und sogar einen kleinen
Imbiss zu sich nehmen. Das Ganze ist verbunden mit der
Chance der Ausweitung der sogenannten Eigenmittelerwirtschaftung.
Vier Arbeitsplätze für Schwerbehinderte konnten
so geschaffen werden.
Job
Club Altona
Als
Kooperationsprojekt mit dem Arbeits- und dem Sozialamt
Altona sowie dem Job Club wurde ISA (= Integration von
SozialhilfeemfpängerInnen in Altona) 1997 ins Leben
gerufen. Seitdem ist Nutzmüll verstärkt und
mit großem Erfolg in den Bereichen: Schulung,
Betreuung und Personalvermittlung aktiv.
Stattbüro
Als
Schreib- und Informationsservice im Bezirk Altona kam
1999 das Stattbüro mit seinen Angeboten unter das
Dach von Nutzmüll. Die kostenlose Erstellung von
Berwerbungsunterlagen und Lebensläufen gehören
seitdem zur rege genutzten Angebotspalette des Stattbüros.
Mehrweg
für ältere Computer (MÄC)
Jüngstes
aber sicher nicht letztes Nutzmüll-Kind ist das
Projekt MÄC. Getreu dem Vereinsmotto: "Nicht
alles, was abfällt, ist Müll, sondern oft
nur ungenutzte Ressource am falschen Ort" wurden
inzwischen über 10.000 aufgearbeitete PC,
Drucker und Monitore insbesondere an Vereine, Schulen,
Stiftungen und einkommensschwache Menschen abgegeben.
Nutzmüll
plus gGmbH
Der große Erfolg von MÄC führte dazu,
dass im Juli 2001 die Nutzmüll plus gGmbH gegründet
wurde. Als Betrieb des normalen Arbeitsmarktes werden
hier unter stärkerer wirtschaftlicher Akzentuierung
derzeit fünf schwerbehinderte MitarbeiterInnen
beschäftigt.
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